Mittwoch, 2. März 2011

Warum dauert der Umzug nur so lange?

"Habt Ihr Euch schon eingelebt in der neuen Wohnung?" Die Frage ist meistens als Einstieg in ein Gespräch gemeint. Und in der Regel sage ich dann,dass wir noch dabei sind. Unser Gepäck,das wir in Tenpaku eingelagert hatten,das hatten wir mit Hilfe einiger Kollegen am 31. Januar alles hierher gebracht. Damit waren wir offiziell umgezogen. Bei den Nachbarn uns vorgestellt,das hatten wir schließlich am 20.Februar geschafft. Telefon und Internet bekommen wir hoffentlich am 9.März.Aber ob damit der Umzug wirklich abgeschlossen ist,und wir uns eingerichtet haben? Das wage ich zu bezweifeln. Im Rathaus haben wir unsere neue Adresse in unsere japanischen Ausweise für ausländische Mitbürger eintragen lassen. Es scheint,dass die Post unsere Briefe usw an die neue Adresse abliefert.Und doch fallen einem täglich neue Kleinigkeiten ein,die man vergessen hat,und die doch zum japanischen Alltag gehören und die geregelt werden müssen.
So ähnlich geht es auch beim gemeinsamen Planen in der Gemeinde. Auch da muss ich überlegen, was ist denn jetzt das Nächstliegende? Was muss jetzt unbedingt in Angriff genommen werden, und was hat noch Zeit? Die drei Jahre,die Gott uns noch für unsere Zeit in Miyoshi gegeben hat, wollen gut genutzt werden, damit wir unsern Nachfolgern nicht ein Chaos zurücklassen. Bei dem allen ist es beruhigend zu wissen,dass ich nicht alles unter Kontrolle haben muss, sondern dass über mir ein Herr ist,der nie den Überblick verliert,und dessen Plan perfekt ist. Der Aufblick zu Gott hilft mir,dass ich selbst ruhig werde und Geduld habe mit mir selbst und mit anderen.

Samstag, 12. Februar 2011

Leute,die außen vor sind

So kann man in etwas den Titel der Fernsehsendung bezeichnen, die gestern vom NHK ausgestrahlt wurde.(Das ist der öffentlich-rechtliche Sender in Japan, der der ARD in Deutschland entspricht.) Verschiedene Schicksale von Menschen, jung oder alt, die aus den verschiedensten Gründen den Kontakt mit der Gesellschaft verloren haben.Einige,die ihre Arbeit verloren haben, einige,die depressiv geworden waren, junge Leute,die mit der Scheidung ihrer Eltern nicht fertig wurden…
In dieser Sendung wurden Versuche gezeigt,wie die Betroffenen aus dieser Situation wieder herausfanden. Ein Mann, der schon an Selbstmord dachte, aber sich dann mit Schulkindern anfreundete,denen er Insekten aus seiner Sammlung schenkte, und von denen er Dankesbriefe bekam… Eine Selbsthilfegruppe für Arbeitslose in Tokyo…Im Laufe der Sendung stellte sich heraus,dass diese Gruppe von einer Kirche unterstützt wurde. Wir sahen eine Weihnachtsfeier, in der diese Leute voll integriert waren.
Für heute abend wurde eine Diskussion angekündigt bei laufender Kamera. Schon während der Sendung gab es viele Nachfragen.
Ich glaube,das ist ein Hauptproblem der heutigen japanischen Gesellschaft, die Einsamkeit. Können wir mit unsern Gemeinden darauf eine Antwort geben?

Donnerstag, 13. Januar 2011

Gedanken beim Packen

Alles was ich aus den Kisten im Keller ausgepackt hatte,muß wieder zurück.Natürlich paßt nichts mehr,wie es war. Aber Ordnung muß ja sein. Das ist die Zeit,wenn ich die Leute beneide,die immer an einem Ort bleiben können. Beim Einkaufen ist der Gedanke immer irgendwo im Hintergrund :Lohnt sich das? Paßt es in den Koffer? Ist es nicht zu schwer für das Flugzeug?
In unserer digitalen Zeit kann man ja schon manches wertvolle Wissen auf eine CD Rom oder eine DVD zusammenpacken.Aber was ist jetzt wirklich wichtig? Und worauf könnte man auch verzichten? Die Frage bleibt mir nicht erspart. Und am Ende habe ich doch wieder vieles falsch gemacht.
Wenn man es richtig betrachtet,dann sind wir ja alle unterwegs.Keiner kann da bleiben,wo er ist. Und keiner kann etwas mitnehmen in das „Land, wo es besser ist“,wie Matthias Claudius es einmal bezeichnete.
Ich wünsche es jedem,daß er bereit ist für diesen Augenblick.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Von guten Mächten wunderbar geborgen...

Ob als Lied oder auf einer Neujahrskarte, immer wieder pünktlich zum Jahreswechsel erscheinen auch diese Verse von Dietrich Bonhoeffer. Wenn man dieses Gedicht im Zusammenhang liest,bemerkt man diesen eigenartigen Gegensatz zwischen der Geborgenheit zu Hause, wo Familie und Freunde den Schein der Kerzen geniessen, und der bangen Ahnung von unheimlichen Gefahren,die sich zusammenbrauen. Und das Geheimnis scheint in diesem Wissen zu liegen :“Gott ist bei uns…“ Und dann mögen die Mächte der Finsternis noch so toben, sie werden uns nicht besiegen.
Eine Reporterin fragte junge Leute,die Feuerwerk für Silvester einkauften,ob so etwas denn nötig sei. „Doch das muß sein,“war die Antwort.“Es ist ein Schutz gegen böse Mächte.“ Kurz vorher war die Nachricht von einem vereitelten Bombenanschlag gesendet worden. Ich staunte. Zunächst einmal darüber,daß dieser junge Mann an unsichtbare Mächte glaubt. Auch wenn er das halb im Spaß sagte, viele Leute glauben an die Exitenz von unsichtbaren Mächten. In meiner Jugendzeit hätte sich niemand getraut,so etwas vor laufender Fernsehkamera zu sagen. Da glaubte man nur an das was man sehen konnte. Inzwischen scheint sich das geändert zu haben.
Viele Leute haben Angst. Ob gegen die bösen Mächte das Abbrennen von Neujahrskrachern hilft? Ich denke, die alten Rezepte, sowohl Mißtrauen gegen Ausländer, als auch das Übersehen von Gefahrenherden werden uns da nicht helfen können. Im Hintergrund sind nämlich geistliche Mächte im Kampf um die Herrschaft.
Die Nachfolger Mohameds beneiden die Christen um ihre Nähe zu Gott. Als Mohamed starb, bestürmten ihn seine Schüler,daß er ihnen noch mehr über Gott sagen sollte. Aber er wußte auch nicht mehr und konnte nur antworten „Fragt die Dschinns(die Dämonen)!“ Von daher wird erklärlich,was junge Leute zu Selbstmordattentaten treibt. Und es wird auch deutlich,daß militärische Kräfte alleine kein ausreichender Schutz sind. Aber der Herr,dem im Himmel und auf Erden alle Gewalt gegeben ist,der kann uns auch vor den bösen Mächten bewahren. „Gott ist bei uns,am Abend und am Morgen,und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

Dienstag, 14. Dezember 2010

Weiße Weihnacht

Weiße Weihnachten
Es muß eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen gewesen sein, zu sehen wie es schneite, und sich die ganze Welt veränderte. Alles was bis dahin schmutzig war,wurde mit einer weißen Decke überzogen. In der Nacht reflektierte der Schnee sogar das Licht. Und tagsüber glitzerte der Schnee in der Sonne. Mehr noch als Geschenke habe ich mir als Kind gewünscht,daß es zu Weihnachten schneite.
Inzwischen weiß ich,welch ein Verkehrshindernis der Schnee sein kann. Bei Schneeglätte kann alles mögliche passieren. Jemand kann noch so gut auf Schnee und Eis manövrieren,wenn ein andrer die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren hat, wirkt das wie eine Bombe.
Und obwohl ich das weiß, geniesse ich eine Schneelandschaft,freue mich,wenn es schneit. Wie kann man diesen Widerspruch erklären?
Könnte es sein,daß in meinem Herzen die Sehnsucht nach einer heilen Welt ist? Könnte es sein,daß ich es gerne erleben möchte, daß eine weiße Decke sich über alles Schmutzige legt, daß ich eine heile und reine Welt sehen möchte,so strahlend und hell wie der Schnee.
Damit das nicht nur ein Wunschtraum bleibt,sondern Wirklichkeit werden kann,deshalb wurde es Weihnachten. Der Sohn Gottes kam in diese Welt,damit jeder Mensch,der sich nach sehnt,in die reine glänzende Welt Gottes hineinkommen kann. So sehr hat Gott die Welt geliebt,damit jeder,der an ihn glaubt nicht verloren geht,sondern ewiges Leben hat. Joh.3,16

Mittwoch, 24. November 2010

Gott kommt zu uns

Helle Aufregung in der japanischen Familie! Nach einem Ehekrach ist die junge Frau verschwunden.
Der Ehemann sieht im Eingang nach,ob ihre Schuhe noch da sind. Sie stehen im Schuhregal. Er macht sich auf die Suche, und hat sie bald in einem Wandschrank gerfunden. Sie erzählt später,sie sei so verzweifelt gewesen,daß sie sich versteckt hatte! Und wartete doch darauf,daß ihr Mann sie suchen und finden würde.
Was für ein Widerspruch!
Und doch ist das typisch menschlich. Ich habe mich verrannt mit meinen Plänen und Ideen.Mir ist alles zuviel geworden. Und ich weiß keinen Ausweg mehr. Gewiß,Christen sollten da beten. Aber hilft Gott auch denen,die vor ihm weggelaufen sind? Sollten die nicht lieber erst mal alleine sehen, wie sie zurechtkommen.
Aber Gott ist nicht so kalt und hartherzig, wie man meinen sollte. Gott kommt auf uns zu. Er hat seinen Sohn nicht auf die Welt gesandt,um sie zu verdammen. Nein, Jesus kam um zu retten und zu heilen. Sein Auftrag war,die Welt zu erlösen. Gott hat nicht gewartet,bis die Menschen zur Einsicht kamen. Gott liebte uns schon,als wir noch seine Feinde waren.
Johannes Jourdan hat das so ausgedrückt :
Gott kommt zu uns,wir müssen uns nicht mehr zu ihm bemühen.
Gott kommt zu uns,nun werden auch im Schnee die Rosen blühen.

Gott hat uns lieb.Deshalb können wir auch heute noch Wunder erleben. Deshalb gibt es Hoffnung für jeden.
Wer das glaubt,muß sich nicht länger verkriechen. Du bist geliebt!

Dienstag, 9. November 2010

Die Schafherde



Ein nass-kalter Herbsttag,an dem man die Sonne vermisst.Der Weg ist schlammig.Aber dann ein altvertrauter Anblick,der gute Erinnerungen weckt : eine Schafherde! Irgendwie kann ich mich dem Zauber nicht entziehen. Wenn ich Schafe sehe,werde ich ich immer an das Bibelwort erinnert aus Psalm 23. Der Herr ist mein Hirte. Mir fehlt nichts.
Eine Schafherde auf sonniger Weide ist es heute nicht. Die Schafe,große und kleine,sind ständig in Bewegung,um das beste Gras zu erwischen. Zwei Schäferhunde rennen dauern hin und her,um die Herde unter Kontrolle zu halten.Der Schäfer sitzt in seinem Geländewagen und hat alles im Auge. Während ich mich mit ihm unterhalte,ruft er den Hunden Befehle zu. Er ist auch nicht so isoliert von der Umwelt wie seine Kollegen aus früheren Zeiten.Das Handy klingelt,und er kann Kontakt mit Freunden aufnehmen.
Und doch muss der Hirte auf manche Bequemlichkeit verzichten,um sich um die Schafe zu kümmern. Die Schafe brauchen sich keine Sorgen zu machen. Der gute Hirte sorgt für sie.
Der Herr ist mein Hirte,mir fehlt nichts. Der Hirte ist nicht immer sichtbar. Manchmal sieht man nur die Hunde. Und doch hat der Hirte alles im Blick. Ich will Gott vertrauen.Er ist mein guter Hirte.