Sonntag, 25. Juli 2010
Geistlicher Kampf
Geistlichen Kampf hielt ich für eine Sache für Spezialisten. Der Bericht über Blumhardts Exorzismus hat mich schon begeistert.Daß eine von Dämonen geplagte Frau durch das Gebet eines Seelsorgers frei wurde,und der letzte Dämon mit dem Ruf:"Jesus ist Sieger" weichen mußte,das muß man gelesen haben.
Aber daß der Kampf nicht erst auf so einer Ebene beginnt,sondern schon in meinem Herzen,nämlich,ob ich bereit bin auch in den Dingen Gott zu vertrauen,die mir nicht gefallen,das lernte ich von einer Mitmissionarin. Sie erzählte, wie sie sich zum Lobe Gottes durchringen mußte in einer phantastischen Umgebung in den Bergen. Das was sie daran hindern wollte,war die schockierende Erkenntnis,daß sie ihren teuren Photoapparat an dem vorherigen Ausflugsort vergessen hatte,und keine Gelegenheit hatte, zurückzukehren um ihn zu holen.
Sie erkannte,daß der Teufel sie damit am Lobe Gottes hindern wollte. Und da beginnt der geistliche Kampf. Vertraue ich Gott, oder ärgere ich mich jetzt die ganze Zeit um etwas,was ich nicht ändern kann? Also, es geht nicht darum, daß ich es mir leicht mache, und mich um nichts mehr kümmere,sondern um die Dinge,die ich nicht ändern kann.Traue ich Gott zu,daß er trotzdem einen guten Weg hat,oder steigere ich mich in meinen Ärger und verbaue mir den Weg zum Lob Gottes?
Da merkte ich,daß ich noch viel zu lernen habe. Gott muß mir tatsächlich Anleitung geben zum geistlichen Kampf.Wie gut,daß er geduldig ist! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir,sagt der Herr. Dann werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Montag, 21. Juni 2010
Gottes Kraft und unsere Schwachheit
Es ist ein Geheimnis,das ich lange Zeit überhaupt nicht kannte. Aber je länger ich als Missionar in diesem Land lebe,desto mehr merke ich,daß wahre Kraft nicht an der Oberfläche erkennbar ist. Muskelprotze, die mit einem Faustschlag ihren Gegner niederstrecken,machen sich zwar gut in der Film- und Fernsehwelt, aber die Wirklichkeit ist anders. Die Leute,die gleich mit der Faust auf den Tisch hauen und rumbrüllen,wenn ihnen was nicht paßt,das sind ja gar nicht die Starken. Wie oft schon wollte ich mit gleicher Münze zurückzahlen,beziehungsweise dem „Frechling“ unmißverständlich deutlich machen, wie sehr er sich daneben benimmt. Als Stärke demonstrieren,bzw was ich darunter verstand.
Aber wenn man nur lange genug wartet,erkennt man,daß die Leute mit den schwachen Nerven,die nie gelernt haben sich zu beherrschen oder Rücksicht zu nehmen, in Wirklichkeit die sind,die einem leid tun können. Und sei es nur deshalb, weil sie sich blamieren mit ihrer Unbeherrschtheit. Oft sind es Menschen,die innerlich verletzt sind. Sie haben vergessen,wie wertvoll sie sind.
Die Bibel sagt :“ Ihr seid teuer erkauft.“ Und deshalb ist es nicht egal,wie wir leben. Essen,Trinken, Sport, Freizeit, Eheleben – die Art wie wir damit umgehen, kann dazu beitragen,daß wir den guten Plan unseres Schöpfers selber schätzen und ihm noch mehr vertrauen,oder nicht.
Damit die Menschen in Japan das Evangelium kennenlernen,damit dieses Land grundsätzlich verändert wird,damit der Tanz um das Goldene Kalb als Götzendienst erkannt und beendete wird, sind nicht geistliche Supermänner nötig,sondern Menschen wie Elia,von dem die Bibel sagt,daß er ein Mensch wie wir war. Elia betete,und Gott antwortete darauf. Elia hatte danach nicht den Eindruck,daß sich viel verändert hätte. Er hatte die Tragweite seines Sieges auf dem Karmel gar nicht verstanden und wollte am liebsten sterben. Dabei hatte Gott schon längst die Wende eingeleitet.
Deshalb wollen wir unsere Grenzen annehmen und Gott vertrauen,der auch heute noch Wunder tut!
Sonntag, 13. Juni 2010
Strategie kann helfen oder hindern
Daß man mit diesem Zeitlupenfußball schon ausgerechnet wurde,bevor man eine vernünftige Aktion starten konnte,ist eigentlich klar. Trotzdem gibt es noch viele Mannschaften,die sich auf dieses traditionelle System verlassen.
Bei der Missionsarbeit in Japan geht es in manchen Dingen ähnlich. In der Gemeinde sind die Positionen auch schon ziemlich festgelegt. Der Fachmann, der Missionar oder Pastor sorgt für Angriff, Kommunikation und Verteidigung. Er schießt die Tore,dh kümmert sich darum,daß die Suchenden angesprochen werden und eine Entscheidung treffen. Er sorgt dafür,daß sie betreut und aufgebaut werden. Und er ist immer dann zur Stelle,wenn es irgendwo brennt.
Den gläubigen Laien selbständige Aktionen zu überlassen, sie gar daraufhin zu trainieren,daß sie Hauskreise halten und andern die Bibel erklären können,auf die Idee kommt kaum jemand der Leiter. Damit würde wer sich ja selbst überflüssig machen,meint er.
In der Urgemeinde war das noch etwas anders,wenn wir der Apostelgeschichte Glauben schenken dürfen. Da rechneten die Leiter damit,daß der Heilige Geist die Gläubigen führte und schulte. Und so taufte der Diakon Philippus mitten in der Wildnis einen Mann,den er vorher noch nie getroffen hatte und wohl auch nie wiedersehen würde. So wurden schon nach kurzer Zeit Gemeinden,die gerade erst entstanden waren,der Gnade des Herrn überlassen.
Wie bei einer Fußballmanschaft ohne feste Strartegie gab es damals chaotische Zustände. Und doch war es auch die Zeit,in der das Evangelium Siege feierte und viele Menschen für Jesus gewonnen wurden. Wenn wir schon nicht bereit sind,unsere Strategien über den Haufen zu werfen,sollten wir sie zumindest in Frage stellen und erneut an den Maßstäben der Bibel prüfen.
Dienstag, 18. Mai 2010
Die Beziehung nach oben
In Japan,wo viele Leute auf engem Raum leben, sind Regeln nötig,damit das Miteinander reibungslos klappt. Das hat leider oft die Wirkung,daß der einzelne sich anpassen muß an die Gruppe. Gerade hier sind Persönlichkeiten nötig, die nicht nur danach fragen,was gerade populär ist,sondern was richtig ist.
Wer hier länger lebt,der gewöhnt sich einen Lebenstil an,der unnötige Zusammenstöße vermeidet.So etwas empfindet man als Luxus, für den man keine Energie mehr hat.
Auf diese Weise entstehen Interessengruppen,aber keine Freunde. Und auch im Glauben kommt man nicht weiter,wenn man sich nur anpaßt. Die Frage,was Gott denn zu einer Sache meint,das Empfinden,daß man etwas mit gutem oder schlechtem Gewissen macht, das gehört zu unserm Leben als Menschen dazu. Das unterscheidet uns von den Tieren.
Um gute mitmenschliche Beziehungen pflegen zu können,brauchen wir eine gute Beziehung zu Gott. Was mir im Gebet klar geworden ist,das kann ich auch vor andern Menschen vertreten. Im vertrauensvollen Gespräch mit Gott wird auch alles herausgefiltert, was nur aus verletzter Eitelkeit oder Geltungsbewußtsein kommt. Denn im Gespräch mit Gott,erfahre ich meinen wirklichen Wert. Ich bin ein Abbild Gottes. "Gott schuf den Menschen zu seinem Bild...er schuf sie als Mann und Frau." Wir können Gottes Herrlichkeit ausstrahlen. Das ist doch toll!
Sonntag, 4. April 2010
Ostereiersuche unter blühenden Kirschbäumen
Die Osterfeier war schon länger geplant. Wir hatten auch Gäste dazu eingeladen,die Leute,die sonst auch in Abständen zum Gemeindecafe kamen. Wir hatten auch einiges vorbereitet. Der Osterbericht mit den Emmausjüngern wurde als Spiel eingeübt. Das Üben machte auch Spaß,weil Erwachsene und Kinder etwas gemeinsam machten. Die Ostereier brachte ein Mann,der erst seit Weihnachten zur Gemeinde kommt. Er arbeitet in einem Supermarkt. Einige junge Frauen kochten sie und beklebten sie mit bunter Folie.
Eigentlich sollte die Feier um 13 Uhr starten. Aber bis alle da waren,und alles so weit klar war,dauerte es doch noch 20 Minuten.Die letzten Minuten muß dann alles ganz schnell gehen. Das Programm noch einmal umstellen,neue Liedblätter ausdrucken, die Begleitung einüben..Hetze!
Wir singen, die Mitarbeterinnen haben die richtige Art,mit den Kindern umzugehen. Es läuft alles ganz gut. Nach den Spielen kommt das Theaterstück, das zeigt,was für eine Sensation es für die Jünger damals gewesen sein muß,als sie merkten,daß Jesus doch lebt.
Seit zwei oder drei Wochen haben wir hier schon Kirschblüte im Park. Aber meistens war der Wind zu kalt,um sich gemütlich unter die Bäume zu setzen. Heute aber war es endlich warm genug.Viele Leute waren gekommen,um Barbecue zu machen. Wir gingen in den Park,um mit den Kindern Ostereier zu suchen. Später fiel mir beim Betrachten der Fotos auf,daß die meisten eifrig Ostereier suchten,aber kaum noch jemand auf die Kirschblüten achtete, die eine wahre Pracht entfaltet hatten.
Anschließend war dann noch Kaffeetrinken mit Gelegenheiten zu Gesprächen. Was ist unter dem Strich geblieben? Keine großen Dinge, keine sichtbaren Entscheidungen für Jesus. Aber doch war Gott am Werk. Ein Ehepaar, war seit Weighnachten wieder zur Gemeinde gekommen. Ihrem kleinen Sohn,der beträchtliche Atemschwierigkeiten gehabt hatte,ging es besser. Gott sei Dank! Ein Mädchen,das unter dem plötzlichen Tod ihres Bruders gelitten hatte, sah wieder fröhlicher aus.Beim Handglockenspiel wurden Kinder und Erwachsene mit hineingenommen, um ein japanisches Lied zu spielen.
Danke an alle,die mit uns für diese Osterfeier gebetet haben. Danke an Gott,der auf unsere Gebete antwortet.
Dienstag, 16. März 2010
Sich selbst finden
In Japan ist es wichtig,daß man seine eigene Meinung auch zurückstellen kann und nicht um jedenPreis darauf beharrt. Als ich für längere Zeit in Deutschland war und nach meinen Gedanken zu einer bestimmten Sache gefragt wurde,konnte ich nicht gleich antworten. Ich hatte erst eimal überlegt,was ,meine Vorredner gesagt hatten,und überlegte, was ich dem hinzufügen sollte,anstatt spontan meine Meinung zu sagen. So stark hatte mich das Leben in Japan geprägt.
Ich darf nie vergessen,wer ich selber bin. Als ich die Passionsgeschichten las,fiel mir in der letzten Zeit auf, wie sehr sich der Herr seiner Identität bewußt war. Als er die Soldaten fragt wen sie suchen und "Jesus von Nazareth" als Antwort bekommt,da bekennt er sich sofort zu seinem Auftrag."Das bin ich." In gewissem Sinn ergreift er die Initiative,damit die Passionsgeschichte beginnen kann.
Gott hat mich und dich als Menschen geschaffen mit Gaben und Grenzen. Wir sollen uns annehmen und zu unsern Vorzügen und Nachteilen stehen. Kein Mensch ist vollkommen.Aber ich bin ein Geschöpf Gottes. Das ist etwas Gutes. Gott hat mich nicht dazu geschaffen,damit oich meine Persönlichkeit unterdrücke und mich wie ein Chamäleon an meine Umwelt anpasse,sondern damit ich meinen Teil dazu beitrage, daß seine Herrlichkeit erkannt wird.
Dienstag, 16. Februar 2010
Wahre Helden
Die Nachricht von dem jungen Mann,der sein Leben riskierte,um eine Frau zu retten, die betrunken auf die Gleise gefallen war, erinnerte mich an die Art,wie Gott mit uns umgeht. Ich weiß nicht viele Details über dieses Ereignis. Aber in meinen Augen hat dieser junge Mann mindestens eine Goldmedaille verdient. Und ich denke auch an andere, die es mit ihrer einfühlenden Art verstehen, Eingeschüchterte aufzumuntern, daß die richtig auftauen. Andere können mit ihrem herzlichen Humor eine angespannte Atmosphäre auflockern. Mir fällt ein, wie ich durch Unachtsamkeit einen Autounfall verursacht hatte.(Obwohl es nur Blechschaden war, hatte mich die Sache ziemlich deprimiert.) Abends rief mich ein anderer Missionar an,und half mir auf liebe Weise,die Situation zu verarbeiten. Das sind die Helden,die wir noch nötiger brauchen als Goldmedaillengewinner.
Und es muß noch nicht einmal so eine Situation sein, in der wir die Helfer und die anderen die Hilfebedürftigen sind. Friedrich Bodelschwingh vergleicht einmal den Sieg eines Alkoholikers über seine Sucht mit dem Sieg eines Generals in einer Schlacht. Mit Gottes Hilfe sich selbst zu besiegen, das ist etwas Gewaltiges. Ich will mich durch die Olympischen Spiele anspornen lassen, meinen Teil beizutragen,damit das Licht über die Finsternis, die Hoffnung über die Verzweiflung,
die Liebe über die Feindschaft siegen kann.